HABICHTSWALDKLINIK
Abteilung Onkologie

Die integrative Onkologie vereint universitäre Medizin,
 Naturheilkunde und Psychoonkologie

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Ganzkörper-Hyperthermie ©

Die systemische, moderate Ganzkörper-Hyperthermie (GKHT)  


Das Wort Hyperthermie stammt aus dem Griechischen und bedeutet Übererwärmung (hyper: zuviel, mehr/ thermos: Wärme).

Im medizinischen Sinne versteht man heute unter dem Begriff "Hyperthermie" die passive Überwärmung des Körpers oder einzelner Körperteile mittels physikalischer Methoden, durch die dem Körper Wärme von außen zugeführt oder auch direkt im Gewebe induziert werden kann. Ganzkörper-Hyperthermie ist eine Therapieform, die bei der Behandlung von verschiedenen chronischen Erkrankungen, wie rheumatischen Erkrankungen und der Fibromyalgie, insbesondere aber auch im onkologischen Bereich bei der Behandlung von Krebserkrankungen eingesetzt wird.

Die systemische, moderate Ganzkörper-Hyperthermie (GKHT)  

Hierbei wird der ganze Körper mittels reflektierter Infrarotstrahlung erwärmt, wobei Rektaltemperaturen bis maximal 40,5°C angestrebt werden.

Indikationen für die Ganzkörper-Hyperthermie:

Die moderate Ganzkörperhyperthermie wird in der Onkologie angewandt bei Tumorpatienten nach erfolgter Primärbehandlung im tumorfreien Stadium zur Erhaltung bzw. Verbesserung der Lebensqualität, d. h. zur Immunstimulation, Immunmodulation, Schmerzreduktion, "Entgiftung" und Entschlackung, Verbesserung der Stimmungslage (antidepressive Wirkung) sowie bei Tumorprogress zur Wirkungsverstärkung bestimmter Chemotherapeutika.

Im nicht onkologischen Bereich ist die Ganzkörper-Hyperthermie außerdem wirksam bei chronisch entzündlichen Erkrankungen des Verdauungstraktes (z.B. Morbus Crohn), bei degenerativ bedingten Gelenkveränderungen (z.B. Arthrosen), Fibromyalgie, chronischen Rückenschmerzen und Muskelverspannungen besonders im Bereich tiefer liegender Muskeln wie z.B. der Becken- oder Lumbalregion, bei verschiedenen Hauterkrankungen (Neurodermitis, Psoriasis, Akne). Weitere Indikationen für die Ganzkörper-Hyperthermie: Bluthochdruck, Durchblutungsstörungen, rheumatische und allergische Erkrankungen.

Kontraindikationen der moderaten Ganzkörper-Hyperthermie:

Allgemein entsprechen die Kontraindikationen der moderaten Ganzkörper-Hyperthermie denen von Überwärmungsbädern und Saunagängen.

Absolute Kontraindikationen: Schwangerschaft, akute Entzündungen, Lungentuberkulose, koronare Herzkrankheit, Herzinsuffizienz, schwere Herzrhythmusstörungen, Thrombose, Marcumartherapie, Leberzirrhose, etc. Im Einzelfall werden im Aufnahmegespräch zu erwartende Komplikationen und individuelle Risiken besprochen. Nach über 6-jähriger Erfahrung mit dieser Behandlungsmethode traten bei uns unter Beachtung der Kontraindikationen bisher keine ernsthaften Komplikationen auf. 

Wirkung der moderaten Ganzkörper-Hyperthermie:

Die moderate Ganzkörper-Hyperthermie ist eine insgesamt gut verträgliche Überwärmungstherapie, bei der mittels Infrarot-A-Strahlung die Körperkerntemperatur schonend und berührungsfrei auf 38,5 bis maximal 40,5°C erhöht wird. Bei einer milden Ganzkörper-Hyperthermie werden (bei verschiedenen chronischen Erkrankungen) Hyperthermie-Behandlungen mit Rektaltemperaturen bis maximal 38,5°C  durchgeführt mit entsprechend kürzeren Behandlungszeiten.

Das sog. "Überwärmungsbett" (nach Heckel) besteht aus einem Strahlergehäuse mit 4 einzeln zuschaltbaren Infrarot-A-Stahlern, welche mit speziellen Reflektorflächen versehen sind und so eine totale Reflexion der Strahlung ermöglichen.

ht3000  http://www.heckel-medizintechnik.de/frameset.html

Der Patient liegt hierbei in einer flexiblen Kabine aus wärmedämmenden, innen verspiegelten Folien, die mit Klettverschlüssen abgedichtet werden und jederzeit von innen (durch die PatientInnen) oder von außen durch den/die BehandlerIn geöffnet werden können. Eine durchsichtige Öffnung im Kabinendach reguliert die Luftzufuhr und ermöglicht Sicht- und Sprechkontakt Der Kopf des/der PatientIn kann im Einzelfall (z.B bei Angstzuständen) auch außerhalb der Kabine gelagert werden.

Während der Behandlung wird der/die PatientIn kontinuierlich überwacht: Körpertemperatur, Blutdruck, Pulsfrequenz  und Sauerstoffgehalt des Blutes werden während der Bestrahlungsphase (die in Abhängigkeit von der individuellen Verträglichkeit 60 bis 90 Minuten dauert) regelmäßig gemessen. Gleichzeitig erhält er zum Ausgleich des Flüssigkeitsverlustes Getränke sowie Sauerstoffinhalationen bei Bedarf; die Befindlichkeit wird durch das betreuende Personal während des gesamten Behandlungszeitraumes „kontrolliert“,  

Erfahrungsgemäß wird nach etwa 30 Minuten eine Erhöhung der Körperkerntemperatur um ca. 1°C erreicht. In der anschließenden Wärmestauphase wird der/die PatientIn in Baumwolllaken und die thermoisolierende Abdeckfolie der Wärmekabine eingehüllt, wobei in einem Zeitraum von 2 bis 3 Stunden ein weiterer Anstieg der Körpertemperatur um ca. 1°C erreicht wird ohne dass erneut Wärme von außen zugeführt werden muss. Nach Erreichen der (individuell unterschiedlichen) Maximaltemperatur, die möglichst lange gehalten werden sollte (sog. Plateauphase), sinkt die Körpertemperatur langsam wieder ab. In dieser Phase befinden sich die meisten PatientInnen in einem Zustand der Entspannung verbunden mit einem hohen Schlafbedürfnis, das bei gleichzeitig guter Stimmungslage in der Regel bis zum nächsten Tag (manchmal auch länger )anhält.                             

Während der Dauer der Behandlung einer moderaten Ganzkörper-Hyperthermie (insgesamt ca. 5-6 Stunden) werden auf Wunsch Entspannungsmusik bzw. andere Entspannungsverfahren (z. B. Visualisierungen nachSimonton u.a.) angeboten. Bei entsprechender Indikation sind auch psycho-therapeutische Gespräche möglich und hilfreich.

Moderate Ganzkörper-Hyperthermie -Behandlungen werden in der Habichtswaldklinik sowohl unter stationären Bedingungen 1-2x/Woche über 4-6 Wochen (8-10 Behandlungen) als auch ambulant durchgeführt. Innerhalb eines Jahres sollte eine Behandlungsserie wiederholt werden. 

Zusätzlich zu den bisher aufgeführten internistisch-onkologischen Behandlungsindikationen kann die Ganzkörper-Hyperthermie im Sinne eines körperorientierten Verfahrens bei psychotherapeutischen Behandlungen unterstützend wirken (insbesondere bei tiefenpsychologisch orientierter Psychotherapie). 

Beobachtungen

In der Regel wird die milde (bis 38,5°C), aber auch die moderate Ganzkörper-Hyperthermie (bis maximal 40,5°C) insgesamt als sehr angenehm empfunden. Trotz kurzzeitig auftretender Stressgefühle in der Aufwärmphase berichten die meisten PatientInnen nach der Behandlung über allgemeines Wohlbefinden, verminderte Schmerzen, normale Blutdruckwerte, Entspannungsgefühle und guten, erholsamen Schlaf (insbesondere bei vorbestehenden Schlafstörungen). Die BehandlerInnen erleben die PatientInnen während und nach der Ganzkörper-Hyperthermie -Behandlung oft gelöster, mitteilsamer und zugänglicher; nur sehr wenige brechen die Behandlung wegen unangenehmer Wirkungen oder Angstgefühlen ab.

Das Überwärmungsbett wird hierbei oft als schützender Raum empfunden; die medizinische Überwachung und die Anwesenheit einer Schwester bzw. der BehandlerInnen bieten zusätzliche Sicherheit. Unter diesen Bedingungen werden mit zunehmender Wärmeempfindung häufig unterschiedliche Gefühlsqualitäten erlebt, die sich auf die Wahrnehmung der eigenen körperlichen und seelischen Befindlichkeit beziehen. Gleichzeitig können manche PatientInnen vergangene, oft belastende Lebenssituationen leichter erinnern; ggf. kann hier bei Bedarf eine psychotherapeutische Behandlung  kombiniert oder nachfolgend eingeleitet werden.

Lesen Sie auch unseren Beitrag zur lokoregionalen Elektro-Hyperthermie (EHT) als Tiefen-Hyperthermie und als Oberflächen-Hyperthermie oder unsere Zusammenfassung aller in der Habichtswaldklinik zur Anwendung kommenden Hyperthermie-Behandlungen

Mit den besten Wünschen für Ihre Gesundheit

 © Dr. Sabine Eulner
leitende Ärztin der Abteilung Hyperthermie / Onkologische Abteilung

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Aktualisiert: Juni 2010

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