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HABICHTSWALDKLINIK
Die integrative
Onkologie vereint universitäre Medizin, Unser Informationsservice zum Thema:
HYPERTHERMIE
IN DER HABICHTSWALDKLINIK
Im
medizinischen Sinne versteht man heute unter dem Begriff "Hyperthermie" die passive Überwärmung des Körpers oder einzelner Körperteile
mittels physikalischer Methoden, durch die dem Körper Wärme von außen zugeführt
oder auch direkt im Gewebe induziert werden kann. Hyperthermie ist eine
Therapieform, die bei der Behandlung von verschiedenen chronischen Erkrankungen
wie rheumatischen Erkrankungen und der
Die Wirkungen von Wärme im Körper sind vielfältiger Art. Es kommt zu einer vermehrten Durchblutung und Aktivierung von Immunzellen. Durch die Temperaturerhöhung kommt es zu vermehrtem Schwitzen und mit der Flüssigkeitsabgabe über die Haut auch zur Ausscheidung von Giftstoffen. Die positive Wirkung von Wärmeanwendungen wird im Bereich der Naturheilkunde vielfältig genutzt. Hierzu gehören warme Bäder, Moor- und Fangopackungen, Heißluftanwendungen, heiße Rolle, aber auch individuell durchgeführte Saunagänge.Die Einführung der Hyperthermie in die onkologische Therapie basiert auf Beobachtungen in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts, bei denen bei einzelnen Patienten im Rahmen hochfieberhafter Infekte deutliche Besserungen von Tumorerkrankungen auftraten. Sogar von Heilungen wurde berichtet. Zunächst wurde im Rahmen der sog. „Fiebertherapie“ versucht, hohe Körpertemperaturen durch das Spritzen von Bakterien und Giftstoffen zu erreichen. Diese Therapie war mit zahlreichen Nebenwirkungen verbunden, die Erfolge blieben fragwürdig. Aufgrund der erheblichen Nebenwirkungen und schlechten Steuerbarkeit dieser Therapie wurde nach anderen Möglichkeiten, hohe Körpertemperaturen zu erzeugen, gesucht. Hierbei wurde die sog. Ganzkörper - Hyperthermie entwickelt, bei der über verschiedene physikalisch-technische Verfahren eine Erhöhung der gesamten Körpertemperatur erreicht wird. Ganzkörper - Hyperthermie wird unterschieden in die moderate Ganzkörper - Hyperthermie mit Körpertemperaturen bis 39,5°C sowie darüber hinausgehende extreme Ganzkörper - Hyperthermie, die nur im Rahmen eines intensivmedizinischen Monitorings möglich sind. Zu unterscheiden hiervon ist die regionale Hyperthermie, bei der bestimmte Körperareale gezielt mit einer Hyperthermie behandelt werden. Nachdem zunächst in universitären Zentren mit Verfahren gearbeitet wurde, bei der einzelne Extremitäten durch Ausschaltung aus dem Gesamtkreislauf über getrennte Blutkreisläufe hohen Temperaturen ausgesetzt wurden, gelang es in den vergangenen Jahrzehnten, technische Verfahren zu entwickeln, bei denen durch elektromagnetische Wellen von außen Temperaturerhöhungen bestimmter Regionen erzielt werden können. Hierbei kommen aktuell zwei verschiedene Verfahren zu Anwendung: 2. lokoregionäre Elektrohyperthermie (Feldaufbau zwischen zwei Kondensatorplatten) Wirkung der Hyperthermie: Hyperthermie, das heißt die Einwirkung von hohen Temperaturen, ist in der Lage Tumorzellen abzutöten. Hierbei sind Temperaturen zwischen 40 und 44°C im Tumor erforderlich. Es kommt zunächst zu einer selektiven Abtötung von Tumorzellen. Bei den genannten Temperaturen sind Zellen mit niedrigem pO2 (Sauerstoffversorgung) und niedrigem pH (Säuregehalt im Gewebe) besonders empfindlich. Dies trifft auf Tumorzellen im Vergleich zu normalen Zellen zu. Unter diesen Bedingungen ist eine Strahlentherapie weniger wirksam und zytotoxische Medikamente wirken weniger gut. Bei erhöhten Temperaturen ist die Wirkung der Radiotherapie bzw. Chemotherapie verbessert. Eine Modellvorstellung zur Wirkung von Hyperthermie besagt, dass unter Hyperthermie Nekrosen auftreten, die zur Freisetzung von HSP 70 (Hitzeschockprotein 70) aus den Zellen führen. HSP 70 führt zu einer Aktivierung des Immunsystems zur Adhäsion (Anheftung) von Killerzellen und zur Tumorzelllyse (Auflösung von Tumorzellen). Die kombinierte Behandlung führt im Vergleich zu einer hyperthermie freien Behandlung bei Kopf-Hals-Tumoren, Mammakarzinom, Hirntumoren, Harnblasentumoren, Zervixkarzinom, Rektumkarzinom, Bronchialkarzinomen, Ösophaguskarzinom, Vulvakarzinom und Vaginalkarzinom sowie beim Melanom nachweislich zu verbesserten Ansprechraten. Die additive Wirkung von Chemotherapeutika wird vor allen Dingen bei Gabe während oder unmittelbar vor Hyperthermie erreicht. Die erforderlichen Temperaturen liegen zwischen 40,5 und 42,5° C. Substanzen, die gut zur Hyperthermie passen sind Doxorubicin, Mitoxantrone, Cyclophosphamid, Ifosfamid, Melphalan, BCNU, Gemcitabin, Cisplatin, Carboplatin, Oxaliplatin, Mitomycin C und Bleomycin. Die Bedeutung der zeitlich korrekten Gabe wird bei Untersuchungen mit Gemcitabin deutlich: die simultane Gabe führt sogar zu einer verminderten Wirksamkeit, ein Abstand von 24 Std. zwischen Gemcitabin und Hyperthermie führt jedoch zu einem erhöhten Zelluntergang. Die moderate Ganzkörper - Hyperthermie wirkt ähnlich wie das vom Körper bei Entzündungen selbst erzeugte Fieber als Signal auf das Immunsystem und führt dadurch zu einer Aktivierung von Immunzellen. Gleichzeitig kommt es zu weiteren Umstimmungen körpereigener Systeme. In der Onkologie wird die moderate Ganzkörper - Hyperthermie als unterstützendes Verfahren eingesetzt, um die körpereigenen Abwehrzellen in ihrem Kampf gegen den Tumor zu unterstützen. Die Vorstellung ist, dass durch eine allgemeine Aktivierung des Immunsystems auch Immunzellen gegen die Krebserkrankung mobilisiert werden. Die regionale Hyperthermie sollte Temperaturen von mindestens 41°C erreichen. Es konnte gezeigt werden, dass Tumorzellen hierdurch unmittelbar abgetötet werden können. Gleichzeitig führt die Erwärmung des Gewebes zu einer vermehrten Durchblutung und damit in Kombination mit einer Chemotherapie oder Strahlentherapie zu einer verbesserten Wirksamkeit dieser Therapien. Eine alleinige Hyperthermie kann theoretisch durch eine vermehrte Durchblutung des Gewebes zu einer vermehrten Ausschwemmung von Tumorzellen und damit Gefahr der Metastasierung führen. Aus diesem Grund wird die regionale Hyperthermie in unserem Haus in der Regel kombiniert mit einer Chemotherapie oder Strahlentherapie durchgeführt. Ausnahme sind Hirntumoren (Glioblastome), für die auch bei alleiniger Hyperthermie günstige Wirkungen möglich sind. 1. Ganzkörper- Hyperthermie Indikationen Die moderate Ganzkörperhyperthermie wird in der Onkologie angewandt bei Tumorpatienten nach erfolgter Primärbehandlung im tumorfreien Stadium zur Erhaltung bzw. Verbesserung der Lebensqualität, d. h. zur Immunstimulation, Immunmodulation, Schmerzreduktion. Parallel beobachten wir häufig eine Verbesserung der Stimmungslage. Im
nicht onkologischen Bereich wird die Hyperthermie außerdem eingesetzt bei
degenerativ bedingten Gelenkveränderungen (z. B.
Arthrosen, jedoch nicht im
aktivierten Stadium =
Kontraindikationen Allgemein entsprechen die Kontraindikationen der moderaten Ganzkörper - Hyperthermie denen von Überwärmungsbädern und Saunagängen. Absolute Kontraindikationen sind Schwangerschaft, akute Entzündungen, Lungentuberkulose, koronare Herzkrankheit, Herzinsuffizienz, schwere Herzrhythmusstörungen, Thrombose, Marcumartherapie, Leberzirrhose etc. Wir führen ein ausführliches Aufklärungsgespräch mit unseren Patienten durch, um ihnen mögliche Wirkungen, aber auch Nebenwirkungen zu erklären und Kontraindikationen zu entdecken. Unter Beachtung der individuellen Risiken sind ernsthafte Komplikationen selten.Durchführung der Therapie Die moderate Ganzkörper - Hyperthermie ist eine insgesamt gut verträgliche Überwärmungstherapie, bei der mittels Infrarot-A-Strahlung die Körperkerntemperatur schonend und berührungsfrei auf 38,5 bis maximal 40,5°C erhöht wird. Bei einer milden Hyperthermie werden Hyperthermie -Behandlungen mit Rektaltemperaturen bis maximal 38,5°C durchgeführt mit entsprechend kürzeren Behandlungszeiten. Das
sog. „Überwärmungsbett“ (nach Dr. Heckel) besteht aus einem Strahlergehäuse mit
Während der Behandlung wird der Patient/die Patientin kontinuierlich überwacht: Befindlichkeit, Körpertemperatur, Blutdruck, Pulsfrequenz und Sauerstoffgehalt des Blutes werden während der Bestrahlungsphase regelmäßig gemessen. Gleichzeitig erhält er/sie zum Ausgleich des Flüssigkeitsverlustes Getränke sowie Sauerstoffinhalationen bei Bedarf. Erfahrungsgemäß wird nach etwa 30 Minuten eine Erhöhung der Körperkerntemperatur um ca. 1°C erreicht. In der anschließenden Wärmestauphase wird der Patient/die Patientin in Baumwolllaken und die thermoisolierende Abdeckfolie der Wärmekabine eingehüllt, wobei in einem Zeitraum von 2 bis 3 Stunden ein weiterer Anstieg der Körpertemperatur um ca. 1°C erreicht wird, ohne dass erneut Wärme von außen zugeführt werden muss. Nach Erreichen der (individuell unterschiedlichen) Maximaltemperatur, die möglichst lange gehalten werden sollte (sog. Plateauphase), sinkt die Körpertemperatur langsam wieder ab. Während der Dauer der Behandlung (insgesamt ca. 5-6 Stunden) werden auf Wunsch Entspannungsmusik bzw. andere Entspannungsverfahren (z. B. Visualisierungen nach Simontonübungen u. a.) angeboten. Bei entsprechender Indikation sind auch psycho-therapeutische Gespräche möglich und hilfreich.Nebenwirkungen Die kontrollierte moderate Ganzkörper - Hyperthermie wird in der Regel gut vertragen. Es kommt jedoch zur starken Beanspruchung des Herzkreislaufsystems, ähnlich wie bei einer hochfieberhaften Grippe. Die Patienten müssen daher engmaschig überwacht werden, auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist zu achten. Beobachtungen bei und nach der Anwendung In der
Regel wird die milde (bis 38,5°C), aber auch die moderate
Ganzkörper - Hyperthermie (bis maximal 40,5°C) insgesamt als sehr angenehm empfunden. Trotz
kurzzeitig auftretender Stressgefühle in der Aufwärmphase berichten die meisten PatientInnen nach der Behandlung über allgemeines Wohlbefinden, verminderte
Schmerzen, normale Blutdruckwerte, Entspannungsgefühle und guten, erholsamen
Schlaf (insbesondere bei vorbestehenden
2. Regionale Hyperthermie Die regionale Hyperthermie wird in unserem Haus als Elektro hyperthermie (EHT) durchgeführt. Dieses Verfahren ist vor allen Dingen im asiatischen Raum erprobt worden. Es liegen erst wenige Untersuchungen zur Elektro hyperthermie vor. Noch immer wird diskutiert, ob eine ausreichende Erwärmung des Gewebes erreicht wird oder ob andere Wirkungen die beobachteten Effekte auf Tumoren erklären. Bisher stehen Messungen aus, die zeigen, dass durch die Elektro hyperthermie tatsächlich die für die Bekämpfung des Tumors erforderlichen Temperaturen von 41°C erreicht werden. Bei der Elektro hyperthermie wird auch postuliert, dass es durch die das Tumorgewebe vom normalen Gewebe unterscheidenden Veränderungen auf zellulärer Ebene zu einer erhöhten Empfindlichkeit der Tumorzelle gegenüber der EHT kommt. Eine direkte Wirkung auf der Ebene der Tumorzellmembran wird vermutet. Beweise für die Wirksamkeit bei der Tumortherapie sind noch unzureichend. Aus diesem Grunde wird die Elektro hyperthermie noch als experimentelles Verfahren eingestuft. Vorteile der Elektro hyperthermie sind neben des technisch im Vergleich zu anderen Verfahren deutlich weniger aufwändigen Verfahrens und der damit breiteren Anwendbarkeit und Verfügbarkeit die geringeren Kosten und die einfache, oft wohnortnah mögliche Anwendung. Dies führt leider dazu, dass die Elektro hyperthermie zunehmend ohne wissenschaftliche Kontrolle angeboten wird. Indikationen Insgesamt konnte für die regionale Hyperthermie gezeigt werden, dass bei bestimmten Krebserkrankungen eine verbesserte Wirkung der Chemotherapie oder Strahlentherapie erreicht werden kann. Die Therapie ist weitestgehend nebenwirkungsarm und schmerzfrei. Gelegentlich kommt es durch die Wärme zu starker Überwärmung der Haut und des darunter liegenden Fettgewebes bis hin zum Gewebeuntergang (Nekrose). Aus diesem Grunde sollten PatientInnen ein auftretendes Wärmegefühl während der Behandlung direkt den die Behandlung begleitenden MitarbeiterInnen mitteilen. Kontraindikationen - Schrittmacherelektroden (besonders Herzschrittmacher), es können Funktionsstörungen durch elektronische Fehlschaltungen auftreten - künstlicher Gelenkersatz - gestörtes Wärmeempfinden (es sind Verbrennungen durch Überhitzung möglich). Nebenwirkungen Leichte Nebenwirkungen sind kurzzeitig lokale Hautrötungen und Missempfindungen der Haut. Durch Überwärmung des gesunden Gewebes ist ein kurzfristiger Anstieg der Körpertemperatur möglich. Außerdem können durch das Absterben von Tumorzellen noch wenige Tage nach der Behandlung leichte Fieberschübe auftreten, die in der Regel gut zu behandeln sind. Durchführung Wir führen die Hyperthermie in unserem Haus nach ausführlicher Prüfung der individuellen Krankheitssituation durch. Eventuelle Kontraindikationen werden abgeklärt. Parallel erforderliche Chemotherapien können bei uns erfolgen bzw. fortgesetzt werden oder bei ambulanter Hyperthermie auch durch den betreuenden Onkologen durchgeführt werden. Wir kümmern uns um eine enge fachliche Abstimmung. Gleiches gilt auch für eine begleitende Strahlentherapie, für die wir ausgewählte Kooperationspartner empfehlen. Lokoregionale Tiefen hyperthermie -Behandlungen können ambulant, teilstationär sowie im Rahmen eines stationären Aufenthaltes in der Habichtswald-Klinik durchgeführt werden. Hyperthermiebehandlungen gelten wegen der noch nicht abgeschlossenen wissenschaftlichen Beurteilung noch nicht als Standardtherapie. Die Krankenkassen sind daher zur Kostenübernahme nicht verpflichtet. Ein Behandlungszyklus umfasst 10-15 Behandlungen, die in Abständen von 2-4 Tagen (bzw. 1-2x/Woche) durchgeführt werden. Anschließend erfolgt eine Therapiekontrolle, von der die weitere Therapieplanung abhängt (erfahrungsgemäß sind 2 Behandlungszyklen erforderlich, um einen längerfristigen Behandlungserfolg beurteilen zu können.
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Weitere Fragen? 0561 - 3108 - 622
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